Freies Schreiben

Was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Bezeichnung "Freies Schreiben"? In alten Zeiten, in denen die Kinder im 1. Schuljahr nur allein nach einem starren Fibellehrgang (Buchstabe für Buchstabe) das Lesen und etwas später auch das erste Schreben lernten, da wurden Schülerinnen und Schüler, die bereits gute Buchstabenkenntnisse besaßen nicht weiter berücksichtigt. Der Unterricht bot kaum Gelegenheiten, in denen diese Kinder ihr Können unter Beweis stellen und ausbauen konnten. Die Forscher und Didaktiker entdeckten diesen Irrtum und stellten eine Vielzahl verschiedener Lese- und Schreibkonzepte vor. Darunter der Ansatz: Lesen durch Schreiben. Hierbei zeigte sich ein erfolgreiches Konzept, bei dem die Kinder weitgehend selbstständig mit Hilfe von Anlautbildern und -tabellen einen leichten und ihrem Lerntempo entsprechenden Zugang zur Schriftsprache fanden. Aber auch dieses Konzept konnte aufgrund verschiedener Gründe nicht für alle Kinder den erwünschten Lernzuwachs in der vorgesehenen Zeit leisten. So schlägt heute das Pendel in der Ausgestaltung der Lese- und Schreiberwerbsphase im 1. Schuljahr in alle Richtungen. Die fibelbezogene Einführung neuer Buchstaben, mit dem Ziel, die neuen Buchstaben (Grapheme) lesen und sofort auch schreiben zu lernen auf der einen Seite und die Anwendung bekannter Buchstaben und unbekannter Buchstaben mit Hilfe einer Anlauttabelle beim freien Schreiben auf der anderen Seite. Hierbei können alle Fähigkeiten, die ein Kind im Umgang mit Schriftzeichen bereits gelernt hat, kreativ umgesetzt werden. Das Kind wiederholt beim Schreiben bekannte Grapheme und füllt beim Abhören eines zu schreibenden Wortes mögliche Lücken, indem es in der Anlauttabelle den gesuchten Buchstaben über das passende Anlautbild findet und im selbst geschriebenen Wort verwendet. Ist diese Fähigkeit einmal entwickelt, kann sie als Instrument zum frühen Schreiben auch längerer Texte rasch ausgebaut werden. Menschen, die selbst nach einem 'alten' Fibellehrgang das Lesen und Schreiben gelernt haben, sind oft sehr überrascht, wie schnell viele Kinder des 1. Schuljahes alle Buchstaben kennen und beim Schreiben anwenden können. Und die Kinder, bei denen diese Fähigkeit bereits nach einem Schulhalbjahr sehr gut entwickelt ist, legen früh ihr Augenmerk auf den Satzbau, den sprachlichen Ausdruck und auf die Rechtschreibung.

vgl. hierzu den Aufsatz führender Didaktiker

Tolle Beispiele zeigen einige Kinder der Klasse 1a:

Nach einem Schulhalbjahr melden sich die Kinder der Klasse 1a mit freien Texten.

"Zuerst haben wir uns im Kunstunterricht selber gemalt," erzählt Julius.
"Und anschließend haben wir uns vorgestellt, wo wir denn gerne wären", erklärt Jana weiter.
"Das haben wir dann auch gemalt und aufgeschrieben."
"Toll,oder?" - die beiden sind sich einig.